Nach nächster AI-Act-Phase: Transparenzlücken bei Deutschlands größten Unternehmen

Wie legen deutsche Unternehmen ihre Regeln für den Einsatz künstlicher Intelligenz offen? In unserer aktuellen Untersuchung haben wir 48 Unternehmen aus drei Gruppen – DAX-40, Online-Shops und Auskunfteien – anhand eines 10-Punkte-Kriterienkatalogs zur öffentlich dokumentierten KI-Governance analysiert. Bewertet wurde dabei nicht, wie gut Unternehmen KI tatsächlich einsetzen, sondern ausschließlich, wie transparent sie ihre KI-Governance-Regeln öffentlich kommunizieren. Das Ergebnis: 11 der 48 untersuchten Unternehmen kommunizieren ihre KI-Governance öffentlich gar nicht. Im Schnitt liegen die untersuchten Unternehmen bei 4,2 von 10 möglichen Punkten. 

Online-Shops kommunizieren am offensten, Auskunfteien am wenigsten

Mit einem Durchschnittswert von 4,6 Punkten schneiden die untersuchten Online-Shops im Gruppenvergleich am besten ab, dicht gefolgt von den DAX-40-Unternehmen mit 4,4 Punkten. Die Auskunfteien bilden mit durchschnittlich 1,3 Punkten das Schlusslicht: Von den drei untersuchten Auskunfteien weisen die Schufa Holding AG und die Creditreform Boniversum GmbH keinerlei öffentlich auffindbare KI-Governance-Dokumentation auf, einzig die CRIF Bürgel GmbH erreicht mit 4 Punkten einen soliden Mittelwert. Unter den Online-Shops führt Amazon mit 9 Punkten, gefolgt von eBay mit 8 und Otto mit 6 Punkten. About You und MediaMarktSaturn erreichen dagegen 0 Punkte.

Technologiebranche und Telekommunikation an der Spitze, Logistik ohne jeden Transparenzpunkt

Im Durchschnitt schneiden Technologie & Software (8,7) und Telekommunikation (8) am besten ab, wobei bei Telekommunikation nur ein Unternehmen (Deutsche Telekom) in die Wertung eingeht. Es folgen Gesundheitswesen (5,7 Punkte, 3 Unternehmen), Finanzen & Versicherungen (5,3 Punkte, 6 Unternehmen) und Industrie & Maschinenbau (4,8 Punkte, 5 Unternehmen). Am unteren Ende liegen Konsumgüter & Handel (0,3 Punkte, 4 Unternehmen) und Logistik & Transport, wo das einzige untersuchte Unternehmen (Deutsche Post DHL) keinen einzigen Transparenzpunkt erzielt. Auf Unternehmensebene teilen sich Infineon und SAP mit jeweils 10 von 10 möglichen Punkten den Spitzenplatz. Dahinter folgen Allianz, Bayer, Commerzbank, GEA Group und Amazon mit je 9 Punkten. Insgesamt 11 der 48 untersuchten Unternehmen – darunter Adidas, Beiersdorf, Brenntag, Deutsche Post DHL, Hochtief, Symrise sowie Zalando, About You, MediaMarktSaturn, Schufa Holding AG und Creditreform Boniversum GmbH – kommen auf 0 Punkte.

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Menschliche Kontrolle wird oft betont, Beschwerderecht kaum

Beim Blick auf die einzelnen Kriterien zeigt sich: Über die Hälfte der Unternehmen (30 von 48) beschreibt öffentlich, dass ein Mensch die letzte Kontrolle über KI-Entscheidungen behält. 26 Unternehmen verfügen über öffentlich zugängliche KI-Leitlinien und adressieren Diskriminierungen explizit. Deutlich seltener werden konkrete Prozesse beschrieben: Nur 18 Unternehmen legen ihre AI-Governance-Struktur im Detail dar, und lediglich elf differenzieren öffentlich zwischen unterschiedlichen KI‑Risikograden. Am größten ist die Lücke beim Beschwerde- und Review-Prozess: Nur drei der 48 Unternehmen erläutern öffentlich, wie Betroffene automatisierte Entscheidungen anfechten oder überprüfen lassen können.

Über die Untersuchung

Für die Studie wurden 48 Unternehmen aus drei Gruppen untersucht: 40 DAX-40-Unternehmen, fünf Online-Shops (Amazon, eBay, Otto, About You, MediaMarktSaturn) sowie drei Auskunfteien (Schufa Holding AG, CRIF Bürgel GmbH, Creditreform Boniversum GmbH). Grundlage war ausschließlich die öffentlich zugängliche Kommunikation auf offiziellen Unternehmensseiten (inklusive Blog, News und Fachartikeln), keine externen Quellen oder Pressemitteilungen Dritter. Anhand von zehn Kriterien (je 1 Punkt für „ja“, 0 Punkte für „nein“) wurde ein Gesamtscore von 0 bis 10 pro Unternehmen gebildet. Für den Branchenvergleich innerhalb der DAX-40 wurde der Durchschnittsscore je Branche gebildet; da die Anzahl der Unternehmen pro Branche zwischen einem (Telekommunikation, Logistik & Transport) und sechs (Finanzen & Versicherungen, Chemie & Pharma) liegt, sind die Werte kleinerer Branchen entsprechend vorsichtiger zu interpretieren. Allgemeine Erklär- oder Use-Case-Inhalte (z. B. Beschreibungen, wo im Unternehmen KI zum Einsatz kommt) wurden dabei nur gewertet, wenn sie sich konkret auf die eigene Governance oder Umsetzung bezogen; reine Absichtserklärungen oder allgemeine Hinweise auf den EU AI Act ohne Bezug zur eigenen Compliance zählten nicht. Bewertet wurde Erhebungszeitraum: August


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