
Umfrage enthüllt Recruiting-Paradox: Die jüngsten Personaler stellen die höchsten Praxisanforderungen
Ausgerechnet die jüngsten Personalverantwortlichen erwarten von Bewerber:innen vor allem praktische Erfahrung. Ältere Generationen legen dagegen deutlich mehr Wert auf fachliche Qualifikationen und Studieninhalte. Das zeigt unsere repräsentative Umfrage unter 500 Entscheidungsträger:innen im Personalmanagement in Deutschland. Einig sind sich jedoch alle: Ob ein Abschluss an einer privaten oder staatlichen Hochschule erworben wurde, spielt bei der Personalauswahl kaum eine Rolle. Durchgeführt wurde die Analyse in unserem Auftrag vom Meinungsforschungsinstitut Civey.
Generationenwechsel im Recruiting: Jüngere Personaler setzen auf Praxis, Ältere auf Qualifikationen
Personalentscheider:innen zwischen 18 und 29 Jahren messen praktischer Erfahrung mit 95 Prozent die mit Abstand größte Bedeutung bei. Fachliche Qualifikationen beziehungsweise die im Studium erworbenen Inhalte spielen für diese Altersgruppe dagegen kaum eine Rolle (1,7 Prozent). Damit stellen ausgerechnet die jüngsten Entscheider:innen besonders hohe Anforderungen an Berufserfahrung.
Bei den 30- bis 39-jährigen Personalverantwortlichen verschiebt sich der Fokus: Für 71 Prozent stehen fachliche Qualifikationen und Studieninhalte im Mittelpunkt der Auswahlentscheidung, während praktische Erfahrung mit 55 Prozent zwar weiterhin relevant bleibt, aber an Bedeutung verliert. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den 40- bis 49-Jährigen: Auch hier zählen fachliche Qualifikationen zu den wichtigsten Auswahlkriterien, gleichzeitig gewinnt die Abschlussnote mit 29 Prozent wieder an Relevanz.
Unter den 50- bis 64-jährigen Personalverantwortlichen werden Theorie und Praxis nahezu gleich bewertet. Bei den über 65-Jährigen stehen schließlich soziale Kompetenzen mit 84 Prozent an erster Stelle, gefolgt von fachlichen Qualifikationen (72 Prozent) und praktischer Erfahrung (58 Prozent).
Ob privat oder staatlich: Hochschultyp spielt meist keine Rolle bei Einstellungen
Auf die Frage, ob ein Abschluss an einer privaten Hochschule eher für oder gegen eine Einstellung spricht, antworteten mehr als 60 Prozent der Befragten mit „es macht keinen Unterschied“. Nur 13,6 Prozent positionieren sich klar gegen eine Einstellung von Absolventen privater Hochschulen.
Auch mit Blick auf die Qualifizierung sehen die meisten Befragten keine Unterschiede zwischen Absolventen privater und staatlicher Hochschulen. Wenn Unterschiede wahrgenommen werden, stehen private Hochschulen häufiger für Praxisnähe (22,4 Prozent) und Digitalkompetenz (23,2 Prozent). Staatliche Hochschulen werden dagegen eher mit sozialen Kompetenzen (15,2 Prozent) assoziiert.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich die Bewertungskriterien im Recruiting verschieben: Für Arbeitgeber:innen zählen heute vor allem fachliche Qualifikationen, praktische Erfahrung und soziale Kompetenzen, während formale Faktoren wie der Hochschultyp oder das Renommee der Institution an Bedeutung verlieren“, kommentiert Professor Dr. Kyriakos Kouveliotis, Provost und Chief Academic Officer der Wirtschaftsschule BSBI. „Dass mehr als 60 Prozent der Befragten keinen Unterschied zwischen privaten und staatlichen Abschlüssen machen, unterstreicht diesen Trend. Für Bewerber:innen bedeutet das mehr Chancen jenseits klassischer Bildungswege – gleichzeitig wird es aber entscheidender, die eigenen Fähigkeiten und Praxiserfahrungen konkret nachweisen zu können.“
—Professor Dr Kyriakos Kouveliotis, Provost and Chief Academic Officer at Berlin School of Business and Innovation (BSBI).
Über die Untersuchung
Das renommierte Meinungsforschungsinstitut Civey hat für die GGG vom 4. bis 23. Februar 2026 rund 500 Personen in Deutschland, die Personalentscheidungen treffen, online befragt. Alle Daten wurden im Civey-eigenen Panel mit verifizierten Teilnehmern erhoben. Die Ergebnisse sind unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 10,3 Prozentpunkten repräsentativ für die angegebene Grundgesamtheit. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier.